The Networks

Wieder mal ’ne Durststrecke im Fernsehprogramm? Das Sommerloch bringt euch um den Verstand? Mit The Networks habt ihr die Chance, selbst zu bestimmen, was zur besten Prime Time auf eurem Sender laufen soll und buhlt um die Gunst der Zuschauer.

Dieses Kartenspiel mit einer guten Portion verstecktem Witz lässt euch zum Senderchef werden und ihr könnt die skurrilsten Shows programmieren. Jeder Spieler übernimmt dabei einen der bis zu fünf Fernsehsender. Ausgestattet mit den ersten drei Shows, die in den Zeitslots um 20, 21 und 22 Uhr laufen, einem Star und einer Werbeanzeige, sowie ein bisschen Kleingeld im Millionenbereich wird in die erste Season gestartet. Wer am Zug ist, kann sich eine Karte aus der Auslage nehmen und sie entsprechend für seinen Sender nutzen. Kernstück sind dabei natürlich die Shows, welche einem eine bestimmte Anzahl an Zuschauern über 4 Staffeln verspricht. Dabei hat jede Sendung ihren präferierten Zeitslot, in dem die laufen möchte sowie ein bestimmtes Genre und Anschaffungskosten. Um die neue Sendung laufen zu lassen, muss im bestehenden Programm erst einmal Platz geschaffen werden. Die alte Sendung fliegt aus der Prime Time heraus und landet in den Reruns, wo sie uns für immerhin eine Staffel noch ein paar zusätzliche Zuschauer liefert.
Manche Sendungen fordern jedoch, dass Stars mitwirken oder Werbeblöcke geschaltet werden. Hierfür gibt weitere Karten, die an diese Shows angelegt werden und ebenfalls – anstatt einer Show – als Zugaktion aufgenommen werden können. Stars kosten, je nach Bekanntheit, eine ordentliche Portion Geld, bringen aber auch dementsprechend bessere Einschaltquoten. Werbeblöcke hingehen spielen wieder Geld in die Kasse.
Als letzte Kartenart können noch die Network-Karten gewählt werden. Diese geben einem verschiedenste Soforteffekte, Dauerfähigkeiten oder zusätzliche Punkte in der Endwertung. Auch können sie sehr interaktiv und teils böse destruktiv ausfallen. Diese Karten sind aber auch als solche markiert und können für einen harmonischeren Spielfluss aussortiert werden.

Sobald man keine der noch ausliegenden Karten mehr haben möchte, kann man aus der laufenden Runde aussteigen und sichert sich damit ein Drop Out-Budget oder aber zusätzliche Zuschauer. Je früher man Aussteigt, desto höher fallen hier die Belohnungen aus. Die Season ist dann beendet, wenn alle Spieler ausgestiegen sind und es folgt eine Wertung. Dabei muss zuerst geschaut werden, wie hoch die laufenden Produktionskosten und Einnahmen sind: manche Sendungen und Stars benötigen am Ende der Runde noch einmal ein paar Millionen, Werbeblöcke hingegen spielen wieder Geld ein. Die Differenz zwischen Kosten und Einnahmen muss bezahlt werden oder wird ausgeschüttet. Danach werden die Zuschauer der Sendungen und Reruns zusammengezählt, auf der Punkteleiste abgetragen und anschließend die Sendungen gealtert. Dabei wird ein Markierungsstein ein Feld auf den Sendungskarten herunter geschoben und die Show hat in der nächsten Runde eine andere Zuschauerzahl. Diese kann niedriger, aber auch höher ausfallen, sodass es gut überlegt sein will, wann man welche Sendung aus dem Programm nehmen und durch etwas Neues ersetzen will. Startspieler der neuen Runde ist der Spieler mit den wenigsten Punkten und hat damit die volle Auswahl aus einer komplett neuen Auslage. Nach fünf Seasons endet das Spiel mit einer weiteren Wertung der verbliebenen Shows.

Strategisch wichtige Boni kann man sich zusätzlich erspielen, indem man drei oder auch fünf Sendungen eines Genres in seinen gesamten Karten vorweisen kann. Man erhält dann einen kostenlosen Star, Geld und Werbung oder aber Network-Karten, welche einem einen kleinen Vorteil verschaffen können. Auch die Stars, Werbungen und Shows selbst bieten noch durch Sonderfunktionen und eigene Bedingungen strategische Feinheiten und Finessen, die es stets im Auge zu behalten gilt.
Im Spiel zu zweit werden nach insgesamt drei Zügen immer wieder bestimmte Karten aus der Auslage entfernt. Dazu zieht man eine Network-Karte, auf der im unteren Bereich angegeben ist, welche Karten verschwinden. Das führt zwar zu einem leichten Glücksmoment, dieser ist aber überschaubar, da er jeweils nur die ganz links in der Auslage liegende Karte einer Art betreffen kann. Das Solo-Spiel habe ich noch nicht ausprobiert.


The Networks besticht durch sein einfaches Regelwerk. Als grundlegende Zugoption eine Karte ziehen – das ist mehr als übersichtlich. Doch steckt durchaus mehr hinter den netten Illustrationen und wortwitzigen Sendungsnamen, die oftmals an real existierende Shows angelehnt sind. Wann ist es sinnvoll, welche Karte zu ziehen? Was braucht der Gegner gerade am dringendsten? Hinzu kommt die Variabilität die durch das große Deck der Network-Karten ins Spiel kommt. So kann ein Spiel mal stark interaktiv, danach aber auch wieder etwas geradliniger Verlaufen, hat dafür aber dann zum Beispiel eine lukrative Endwertung. Die Aufmachung des Spiels ist einfach nur schön und besticht neben klar strukturierten Funktionsabschnitten vor allem durch die Illustationen der einzelnen Karten. Einen passenden Vorgeschmack liefert da auch bereits der Spielkarton.

Einziger Wermutstropfen: in der bisher nur erhältlichen englischen Fassung tauchen immer wieder Unklarheiten bei den Kartentexten auf. Diese können zwar im Regelheft nachgelesen werden, allerdings ist das oftmals mühsam und auch dort klärt sich manchmal nicht jedes Detail. Erst in der letzten Partie ist uns zudem aufgefallen, dass es noch kleine Sonderregeln zu manchen Karten gibt, die gar nicht auf der (an sich verständlichen) Karte abgedruckt sind. Das ist wirklich schlecht gelöst.
Für den Herbst hat der polnische Verlag Board&Dice eine deutsche Version angekündigt, vielleicht überarbeitet man dort noch einmal die Kartentexte redaktionell. Verdient hätte es das Spiel, genauso, wie es eine Erweiterung verdient. Autor und Verleger Gil Hova lässt auf der Facebook Seite seines Verlags Formal Ferret Games bereits erste Einblicke in die kommende Erweiterung Networks: Executives! zu. Jeder Spieler scheint zusätzlich die Rolle eines Executive Managers zu übernehmen, welche permanente Sonderfähigkeiten mit sich bringt und den Sendungsalltag aufzumischen verspricht. Es gilt also weiterhin: Das Fernsehn ist tot – es lebe das Fernsehn!

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Autor: Gil Hova
Verlag: Formal Ferret Games
Erschienen: 2016
Spieldauer: 60-90 Minuten
Spieler: 1-5